Ein Besuch der Dahlhauser Heide im Norden Bochums ist für Industriekultur-Fans ein absolutes Muss.
Die Siedlung Dahlhauser Heide, im Volksmund auch „Kapps-Kolonie“* genannt, wurde von der Firma Krupp in zwei Bauabschnitten zwischen 1907 und 1915 auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes Dahlhausen östlich der unternehmenseigenen Zeche Hannover errichtet. Ihren Namen erhielt sie vom verbreiteten Anbau von Kohl, einem beliebten Grundnahrungsmittel der Bergleute.
Die hufeisenförmig um eine zentrale Parkanlage angelegte Siedlung mit leicht geschwungenen Verbindungstraßen umfasste ursprünglich 351 Gebäude mit 678 Doppelhaushälften, sechs Beamtenhäusern, vereinzeltem Geschosswohnungsbau und insgesamt 777 Wohneinheiten. Damit gehört sie zu den größten im Ruhrgebiet. Mit Ausnahme der zweieinhalbgeschossigen Beamtenhäuser an der Hordeler Heide basiert die Baustruktur auf zwölf anderthalbgeschossigen Typenhäusern, die in über 40 verschiedenen Variationen ausgeführt wurden. Alle verfügten über eine Wohnküche und ein Wohnzimmer im Erdgeschoss und zwei Schlafräume im Obergeschoss. Nach insgesamt nur geringen Kriegszerstörungen wurden 90 Haushälften im Originalstil mit vereinfachter Fassadengestaltung wiedererrichtet.
Die Planung der Siedlung für die Belegschaften der Krupp-Zechen Hannover und Hannibal lag beim leitenden Architekten des Krupp‘schen Baubüros, dem aus Württemberg stammenden Robert Schmohl. Er verband die Idee der Gartenstadt mit dem Heimatstil und entwarf eine Arbeitersiedlung mit dörflichem Charakter. Kindergärten, drei Schulen, Gemeindehäuser beider Konfessionen, eine Konsumanstalt und eine Bierhalle mit Saalbau kennzeichneten die eigenständige Infrastruktur der Mustersiedlung. Auch die Platzgestaltung und der Straßenverlauf folgten gartenstädtischen Grundgedanken. Die variantenreiche, fachwerkähnliche Fassadengestaltung mit Holzverschalungselementen und Fensterläden sowie die tief heruntergezogenen Dachtraufen orientierten sich an westfälischen Bauernhöfen. Großzügig angelegte Nutzgärten für Gemüseanbau und Kleintierhaltung und eine geschickte Eingrünung der Straßen und Plätze unterstreichen bis heute das Bild einer romantisch-heimatlichen Idylle.
Die Siedlung Dahlhauser Heide steht – anders als zu erwarten – nicht unter Denkmalschutz. 1974 beschloss der Bochumer Stadtrat eine Bestandsveränderungssperre und im Jahr darauf der Landeskonservator die Unterschutzstellung. Nach Erlass des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes 1980 erfolgte jedoch keine offizielle Eintragung in die Denkmalliste, da Stadt die Gestaltungssatzung für ausreichend hält.
*Übrigens: Kappes oder Kapps ist Ruhrpottslang vom Feinsten und steht für Kohl.